Während Muslime für das Orlando-Massaker beten, stachelt Donald Trump seine Anhänger an, nach ihren Waffen zu greifen. ISIS und Trump leben in einer symbiotischen Beziehung, sie nähren einander. Der Hass des einen, stärkt den anderen.

Ein Gastbeitrag von Peter Certo.

Als am Abend des 12. Juni die Sonne über New York unterging, versammelten sich Hunderte von Muslimen im Hudson River Park, um das traditionelle Ramadan-Fastenbrechen zusammen zu begehen. Iftar, das Abendessen am Ramadan, ist oft ein freudiges Fest des Glaubens und der Familie. Doch die Stimmung an diesem Sonntag war eine andere, eine schwermütige: an diesem Morgen brach die Nachricht vom entsetzlichen Massaker an den LGBTQ-People im Pulse Nachtclub in Orlando über uns herein.

bio-CertoEin einzelner Muslim hatte den Angriff durchgeführt. Hier am Hudson knieten über 200 zum Gebet. „Wir beten hier für diejenigen, die von uns gegangen sind,“ erklärte eine Frau mit gebrochener Stimme in einem Video, das von der Huffington Post in Umlauf gebracht wurde. „Als Muslime sind wir vereint in unserer Empörung über diesen sinnlosen Akt der Gewalt.“

Unterdessen verurteilte ein Imam in Orlando Terrorismus als unislamisch und bekräftigte: „Islam lehrt Frieden.“ Der Florida-Zweig einer nationalen Muslimen-Vereinigung rief ihre Mitglieder auf, Blut für die Opfer zu spenden. Beileidsbekundungen amerikanischer Muslime wurden landesweit ausgesprochen. CBS News sprach von einer „Lawine.“

„Heute stehen wir in Solidarität mit der LGBTQ-Community,“ sagte die Gruppe Muslim Advocates. „Eure Trauer ist unsere Trauer. Eure Empörung ist unsere Empörung.“

Leider konnten keine jener aufrichtigen Gesten Donald Trump davon abhalten, seine finsteren Warnungen auszusprechen, dass „der radikale Islam an unsere Küsten kommt.“ Nach dem Orlando-Massaker machte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner in einer von Lügen durchsetzten Rede Einwanderung und „political correctness“ für die Schießerei verantwortlich.

Während Muslime in ganz Amerika ihr Beileid nach Orlando schickten, verspottete Trump seine demokratische Rivalin, die darauf beharrte: „Muslime sind friedliche und tolerante Menschen.“ Er beschuldigte „die“ Muslime, „Tod und Zerstörung“ zu verursachen, indem sie den Terrorismus in ihrer Mitte vertuschen (obwohl später bekannt wurde, dass ein Mitglied der muslimischen Gemeinde des Orlando-Shooters ihn als Verdächtigen bei den Behörden meldete).

Dann, im vielleicht unheilvollsten Teil seiner Ansprache, behauptete Trump, die Demokraten wollten „den Amerikanern ihre Waffen wegnehmen und dann all die Leute in unser Land lassen, die uns abschlachten wollen.“ Muslimische Einwanderer sind das Problem, so scheint er zu sagen. Und Waffen sind die Lösung.

Wenn Ihr mich fragt, würde ich mich in der Menge am Hudson River Park wesentlich sicherer fühlen als irgendwo in der Nähe einer Kundgebung bewaffneter Trump-Anhänger.

Aber nun zum gruseligen Teil: bei all seinem Gequake, „wir müssen beim radikalen Islam endlich zur Vernunft kommen,“ spielt Trump auf dümmlichste Art und Weise direkt in die Hände von ISIS. Genau wie Trump selbst profitiert ISIS immens von allem, was einen Keil treibt zwischen die Muslime und den Gesellschaften, in denen sie leben.

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“Radical Haters Unite” by Khalil Bendib from otherwords.org, thanks a lot for permission!

Vor einiger Zeit erläuterte ISIS in einer Veröffentlichung – in klarem Englisch – seinen detaillierten Plan, „die Grauzone“ zwischen Ungläubigen und Gläubigen „zu eliminieren“. Da die meisten Muslime das Leben in den liberalen Gesellschaften Europas und Nordamerikas anscheinend mögen, besagt die ISIS-Propaganda, die einzige Möglichkeit, die Rekrutierung ihrer Gotteskrieger hochzufahren, ist es, wenn die Muslime sich in diesen Gesellschaften möglichst unerwünscht fühlen.

Kein Wunder also, dass der Star in den ISIS-Werbungen neuerdings Donald Trump heißt. Es ist gewiss nicht, weil sie Angst vor ihm hätten – es ist, weil nur wenige Menschen härter daran arbeiten, Muslimen das Leben zur Hölle zu machen, als er. Bürgerrechtsgruppen berichten, dass der Aufstieg von Trump eine erschreckende Zunahme von Hassverbrechen gegen die Muslime in diesem Land zur Folge hatte.

Das ist der Skandal. Und er ist vollkommen selbstzerstörerisch.

In der Tat haben die Vereinigten Staaten wohl die bestintegrierte, wohlhabendste muslimische Bevölkerung in der westlichen Welt. Selbst als ISIS unter den viel stärker marginalisierten muslimischen Gemeinden in Europa einige Rekrutierungserfolge verzeichnen konnte – obwohl die Gruppe auch dort weit abseits des muslimischen Mainstreams steht – ist dies hier kaum der Rede wert.

Szenen wie die Iftar-Zusammemkunft in New York sind die Regel, nicht die Ausnahme. Sie sind eine bewegende Antwort auf die toxische Politik der Spaltung, und ein viel genaueres Abbild unserer muslimischen Nachbarn als alles, was von Trump behauptet wird.

Und nicht zuletzt sind sie wesentlich wertvoller im Kampf gegen den Terrorismus als jede Kugel oder Bombe – oder jeder Demagoge, der beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten seine Anhänger aufstachelt, nach ihren Waffen zu greifen.





JusticeNow! sends a big THANK YOU and the best wishes to Peter Certo who published this piece on Foreign Policy In Focus and to Khalil Bendib who drew the cartoon “Radical Haters Unite” for otherwords.org. Translated by JusticeNow!  – connect critical journalism worldwide!

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Join the discussion 8 Comments

  • Blinki-Flinki sagt:

    Jakob,
    du solltest dringend die Quellen lesen, die du verlinkst.

    „Bürgerrechtsgruppen berichten, dass der Aufstieg von Trump eine erschreckende Zunahme von Hassverbrechen gegen die Muslime in diesem Land zur Folge hatte.“
    Das wird in dem dazu verlinkten Artikel in keiner Weise dargestellt.

    Also besser recherchieren und weniger lügen!

    • Blinki-Flinki,

      das ist ein Gastartikel, den ich von Peter Certo aus dem Englischen übersetzt habe. Wenn man mir böse Absichten unterstellt, kann man mir vorwerfen, dass ich als Übersetzer nicht jede Quelle studiert habe, muss man aber nicht. Peter ist ein renommierter Journalist, der das Foreign Policy In Focus in USA leitet, daher habe ich auf seine Quellen vertraut und nicht alle durchgelesen, die meisten schon.

      Der Original-Artikel ist auch auf JusticeNow! verfügbar, da geht die Formulierung so:

      „Civil rights groups report that Trump’s rise has paralleled a shocking increase in hate crimes against Muslims in this country.“

      Ich hab „to parallel“ mit „zur Folge haben“ übersetzt. Das ist keine astreine Übersetzung, für „parallel“ als Verb gibt’s im Deutschen einfach keine gut klingende Entsprechung. Aus meiner Sicht über die Situation und die Zusammenhänge passt „zur Folge haben“ trotzdem gut, für mich ist es eine Folge, Trump und die steigende islamfeindliche Gewalt zwei sich gegenseitig verstärkende Phänomene. Der verlinkte New York Times Artikel gibt diesen Zusammenhang jedoch nicht her, da hast Du vollkommen Recht.

      Was bei mir aber bleibt ist eine große Blase: Was soll Deine Unterstellung? Lügen? WO lüge ich? Was soll das?

      Trump hat der Islamophobie in den USA einen massiven Schub gegeben, streitest Du das ernsthaft ab?

      • Blinki-Flinki sagt:

        “ kann man mir vorwerfen, dass ich als Übersetzer nicht jede Quelle studiert habe, muss man aber nicht. “

        Stimmt, das musst du nicht. Dafür musst du dir den Vorwurf gefallen lassen, dass du ungeprüft Behauptungen verbreitest und angebliche Belege dafür anführst, die die Behauptung nicht verifizieren.
        Das nennt sich Lügen – so formulierst du es selbt: „in einer von Lügen durchsetzten Rede“

        Du kannst dich nicht einfach aus der Affäre ziehen, indem du meinst „Ich hab ja nur übersetzt…“
        Dies ist doch DEINE Seite, DU entscheidest, was veröffentlicht wird und – wie ich glaube – DU stehst auch hinter den Artikeln.

        • Blinki-Flinki sagt:

          Und nur nebenbei: Ich halte gar nichts von Trump!
          Ich finde es aber nur lächerlich, wenn man diesem nut job nicht inhaltlich begegnen kann, sondern
          sich irgendeinen Quatsch zusammenreimt, um ihn zu diskreditieren.

        • Ich verstecke mich hinter gar nichts. Ich hab mich lang und breit erklärt. Du bist auf meine Punkte nicht eingegangen. Weißt Du, was das Wort „lügen“ bedeutet?

          Der New York Times-Artikel zeichnet den ansteigenden Islamhass nach. Der „paralleled“ mit Trumps Aufstieg. Wie naiv bist Du, in beiden Phänomenen ernsthaft keinerlei Zusammenhang zu sehen?

          Welche falschen Behauptungen verbreite ich, sage es mir bitte? Wo lüge ich?

          • Blinki-Flinki sagt:

            Der New York Times-Artikel erwähnt Trump gar nicht.
            Er sagt hingegen aus, dass anti-islamische Hassverbrechen nach islamistischen Anschlägen steigen und nennt diesbezüglich die Anschläge von Paris und San Bernardino.
            Ein Hoch der Übergriffe wird sogar auf die Zeit nach dem 11. September 2001 verortet.
            „The frequency of the recent attacks has not reached the levels seen in the immediate aftermath of the terrorist attacks of Sept. 11, 2001“
            Donalnd Trump war 2001 noch gar nicht auf dem Schirm.

            Wie verblendet bist du eigentlich, dass du diese anti-muslimischen Attacken nicht als Reaktion auf islamistische Anschläge zu erkennen vermagst?

  • DerEinzigeAndreas sagt:

    to parallel würde ich mit „korrelieren“ oder „etw. geht einher (mit etwas anderem)“ übersetzen.
    „Zur Folge“ klingt zu sehr nach Ursache und Wirkung.

    Die Lügen-Anschuldigen halte ich für ungerechtfertigt. Eine Übersetzung anzufertigen selbst von unserer nächsten Schwestersprache ist alles andere als einfach. Insbesonders im hochsensiblen politischen Kontext. Hier sind Bedeutungsnuancen und Wortwahl wesentlich wichtiger als in anderen Bereichen. Eine Übersetzung entsprechend schwer bei dem vorausgesetzten Fremdsprachbewusstsein. Hut ab für denjenigen, der sich überhaupt die Arbeit macht.

    Ich halte es für zweckdienlich jeden Menschen mit einer positiven Grundeinstellung zu begegnen, was soviel heißt jemanden gute Absichten in seinem Tun zu unterstellen. Wir müssen nicht hinter jedem Fehler und Mängel immer gleich Boshaftigkeit oder gar Verschwörungen vermuten.

  • He says that if anyone can show proof that Turkey has been involved in the sale of ISIS oil he will resign. He is lying through his teeth, and the western media are allowing him to get away with it. As long as Barack Obama and the Turkish government keep openly lying to everyone, it is only going to make tensions in the region even worse.

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