Im nächsten Jahr wird das reichste 1% der Menschheit soviel Vermögen haben, wie die restlichen 99% zusammen. Schon heute haben die reichsten 80 Menschen so viel Geld wie die ärmste Hälfte der gesamten Menschheit. Diese Zahlen sind eine Kriegserklärung an die Demokratie.

Unter dem Titel Wealth: Having it all and wanting more  kam Anfang des Jahres die neueste Oxfam-Studie zur Verteilung des Reichtums auf unserer Welt heraus. Dass die Armen ärmer und die Reichen immer reicher werden, ist kein großes Geheimnis. Es ändert aber eben auch nichts an der Tatsache, dass die von Oxfam veröffentlichten Zahlen einfach nur absurde Zustände beschreiben.

Extreme Konzentration des globalen Vermögens

Oxfam hat berechnet, dass im nächsten Jahr das reichste 1% der Menschheit so viel Vermögen besitzen wird, wie die restlichen 99% zusammen genommen (sic!). Die untersten 80% der Menschheit besitzen gerade einmal 5.5% des globalen Reichtums.

Aktuell haben die 80 reichsten Menschen soviel angehäuftes Vermögen wie die ärmste Hälfte der Menschheit zusammen – 3,500,000,000 Menschen. 2010 waren dafür noch 388 Menschen nötig. Wo geht diese Entwicklung hin? © Oxfam 2014, Wealth: Having it all and wanting more

Aktuell haben die 80 reichsten Menschen soviel angehäuftes Vermögen wie die ärmste Hälfte der Menschheit zusammen – 3,500,000,000 Menschen. 2010 waren dafür noch 388 Menschen nötig. Wo geht diese Entwicklung hin? © Oxfam 2014, Wealth: Having it all and wanting more

Aktuell haben die reichsten 80 Menschen genauso viel Vermögen wie die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung zusammengerechnet. Diese Zahl musst Du Dir auf der Zunge zergehen lassen: 80 Menschen besitzen so viel wie 3,600,000,000 Menschen. Ein unverschämtes Missverhältnis!

Vor fünf Jahren waren dafür noch die 388 reichsten Menschen der Welt nötig. Wo soll diese Entwicklung bitte hinführen? Wird in ein paar Jahren ein einziger Mensch so viel haben wie die eine Hälfte der kompletten Menschheit? Kann diese Konzentration von Reichtum noch unverschämtere Züge annehmen?

Während sich im Zuge der letzten Wirtschafts- und Finanzkrise weltweit das Ersparte von Millionen kleiner Anleger in Luft aufgelöst hat, haben diese 80 Menschen im Zeitraum 2009-2014 ihr Vermögen mehr als verdoppelt. Im selben Zeitraum hat sich auch die Zahl der Milliardäre auf der Welt mehr als verdoppelt.

Wurden in diesen Jahren nicht auch Milliarden über Milliarden an Steuergeldern in die Rettung von Banken und Konzernen gepumpt? Hat also im Endeffekt nicht der geschröpfte Steuerzahler den obszönen Reichtumszuwachs der Elite aufgebracht? Der Gedanke drängt sich mehr als auf.

In den USA werden die 10 größten Banken auch heute noch mit jährlichen 83 Milliarden $$$ subventioniert. Das ist permanenter Diebstahl, in Gesetze gegossene Umverteilung von unten nach oben.
“For the people, of the people, by the people“ meint im mächtigsten Land der Welt schon lange nur noch die reiche Elite an der Spitze des Volkes.

Das Geld für sich arbeiten lassen, das Geld für sich töten lassen

Bill Gates ist nach einer kurzen Durststrecke aktuell wieder der reichste Mensch der Welt, er hat unvorstellbare 79 Milliarden $$$ auf dem Konto. Das ist genauso viel wie das akkumulierte Bruttoinlandsprodukt der 40 ärmsten Länder.

In was für einer kranken Welt leben wir bitte, in der ein einziger Mensch so viel Geld hat, wie 40 Länder in einem ganzen Jahr erwirtschaften?

Das Geld der Superreichen liegt natürlich nicht versteckt unter ihren Matratzen, sondern ist angelegt oder investiert. Man lässt ja gerne sein Geld für sich arbeiten, wie es so schön heißt. Damit sind sie nicht nur verantwortlich für das, was ihr eigenes Unternehmen alles anrichtet, sondern eben auch für all die auf maximale Rendite getrimmten Aktivitäten der Finanzinstitute, die ihr Geld verwalten.

Die da zum Beispiel wären Investionen in Atomstrom-, Rüstungs- oder andere zerstörerische Konzerne, das Ausschlachten ganzer Betriebe durch kriminelle Hedgefonds (inklusive Entlassung tausender Arbeiter) oder die Spekulation auf Grundnahrungsmittel, durch die der globale Hunger verschärft wird.

Zugespitzt fomuliert ist diese 1%-Elite – die über so viel Geld wie die restlichen 99% verfügt – tagtäglich an der Zerstörung des Planeten mitbeteiligt, weil sie vom Raubbau an ihm profitiert. Sie ist für all die Kriege mitverantwortlich, weil sie von Rüstungsdeals und der den Kriegen ursächlichen Rohstoffsicherung profitiert. Sie ist für den Hungertod von 25,000 Menschen am Tag mitverantwortlich, weil sie von Spekulationen auf Reis, Mais und Co. profitiert.

Die Gier der Superreichen speist sich aus unserem Wirtschafts- und Finanzsystem, das Rücksichtslosigkeit und Amoral hervorbringt und diese belohnt. Es ist aber schlicht Zeit- und Energieverschwendung, sich im Hass auf diese Einzelpersonen zu ergehen, denn auch sie sind nur austauschbare Puppen im globalen Spiel um Macht und Geld. Auch sie sind gefangen in diesem Käfig aus Systemzwängen. Den Zwängen nach immer mehr Wachstum und immer höherer Rendite.

Es ist sinnlos, diesen Verbrechern an der Spitze der Banken und Konzerne ihre persönliche Gier vorzuwerfen und ihnen den „hart erarbeiteten“ Jahresbonus madig zu machen. Sie können gar nicht anders, sie kommen nur an die Spitze, wenn sie genau so handeln. Würde Manager X vom Konzern Y auf einmal anfangen, ökologisch und sozial nachhaltig zu wirtschaften, wäre er von jetzt auf gleich arbeitslos.

Auch wenn es so schön griffig und anschaulich ist, der Feind ist nicht Bill Gates und seine 79 Milliarden $, sondern dieses verbrecherische System, das es überhaupt erst ermöglicht, dass eine Einzelperson diesen Reichtum anhäufen konnte. Wer ist schon Bill Gates? Er als Person ist schlicht irrelevant für die Diskussion. Der Fokus muss auf dem liegen, was er repräsentiert: dem gegenwärtigen neoliberalen Finanzkapitalismus, der tagtäglich unsere Welt zugrunde richtet.

Der Demokratie den Krieg erklären

Die von Oxfam veröffentlichten Zahlen sind eine Kriegserklärung an die Demokratie. Würden die Superreichen einfach nur champagnerschlürfend in ihrer großen vergoldeten Seifenblase leben, könnten sie einfach ignoriert werden. Sollen sie doch baden in ihrem Geld oder ihre Wände damit tapezieren. Wen würde es schon interessieren?

Genau das ist aber eben nicht der Fall. Reichtum geht auf allen Ebenen Hand in Hand mit politischer Macht.

Das ist der kleine Geschäftsmann, der sich städtische Aufträge erkauft. Das sind die 20,000 Lobbyisten, die in Brüssel Gesetze im Namen der Konzerne schreiben. Das ist das Haus Saud, das sich mit Saudi-Arabien ein komplettes Land wie einen privaten Abenteuerspielplatz hält. Das sind die reichen Eliten in den USA, die Präsidentschaftskandidaten als Investitionsmöglichkeit sehen und nach der Wahl die Rendite in Form politischer Entscheidungen einstreichen. Und das ist am Ende eben auch der reichste Mensch der Welt, der über seine Bill & Melinda Gates Foundation den menschenfeindlichen Konzern Monsanto unterstützt und massiven Einfluss auf die Gesundheits- und Agrarpolitik afrikanischer Staaten ausübt.

Wer hat dir bitte das demokratische Mandat dafür gegeben, Billy?

Wenn wir zulassen, dass Privatbesitz maßgeblich an der politischen Entscheidungsfindung beteiligt ist, ist jedes Bekenntnis zur Demokratie nichts als ein geheucheltes Lippenbekenntnis.
In der westlichen Welt gibt es keine Demokratie. Die Macht des Geldes hat die Demokratie massivst ausgehöhlt, sie ist längst zu einem alle vier Jahre stattfindenden Abnick-Ritual verkommen.

Wenn wir in einem System leben wollen, das auch nur im Ansatz den Namen Demokratie verdient, muss die omnipräsente Macht des Geldes abgeschafft werden. Viel mehr verlange ich ja gar nicht.

Es heißt „one (wo)man – one vote“ und nicht „one $ – one vote“,  verdammt nochmal!


Title picture by aisletwentytwo licensed under CC BY 2.0 (edited).




Join the discussion 2 Comments

  • Bill Gates wird in dem Artikel als der reichste Mensch bezeichnet. Da gibt es aber noch viel Reichere, die sich vorsichtshalber nur nicht mehr in die Karten schauen lassen. Siehe das Komitee der 200
    http://faszinationmensch.com/2014/08/25/das-komitee-der-300/

    • JusticeNow! sagt:

      Ich werd hier sicher keine Zensur betreiben, distanziere mich aber ausdrücklich vom Inhalt des verlinkten Artikels. Spätestens als im Paramount-Logo allsehendes Auge und Pyramide reininterpretiert wurden, war mir das zu viel.

      Eliten können auch ohne Illuminaten und Bilderberger analysiert werden, es braucht kein allsehendes Auge, um Superreiche zu kritisieren.

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