In der Ukraine werden Schlüsselpositionen im Finanzsystem, der Wirtschaft und der Regierung mit US-hörigen Marionetten besetzt. Mit dieser ausufernden Spielart der Korruption wird erneut versucht, dem unvermeidlichen Niedergang des US-Imperiums entgegenzutreten.

Das Perfide an Korruption ist, dass sie verdammt lernfähig ist. Wenn in den 80er Jahren aufmüpfige Staatsmänner in Lateinamerika noch klassisch mit Koffern voller Geld geschmiert wurden, um nach der US-Pfeife zu tanzen (die Alternative war die Hinrichtung durch die CIA), kommt sie heutzutage oft im philanthropischen Gewand daher.

Wenn nach dem Irak-Krieg die Aufträge zum „Wiederaufbau“ des Landes ausschließlich an westliche Firmen gehen, ist das natürlich Korruption. Im Zuge der „Griechenlandhilfe“ wurde die griechische Regierung gezwungen, sämtliche Sozialausgaben zu kürzen, der Rüstungsetat blieb auf sinnlos hohem Niveau. Es hilft der geschundenen griechischen Bevölkerung gewiss am meisten, wenn die Rechnungen an deutsche Panzerschmieden bezahlt werden. Auch das ist natürlich eine Form moderner Korruption.

In der Ukraine wird nun versucht, Stück für Stück ein ganzes Land in Richtung Westen zu verschachern.

„Modernisierung der Ukraine“ – oder: auf Kurs bringen Richtung Westen!

„Agentur zur Modernisierung der Ukraine“ – diesem in diesen Tagen frisch aus dem Boden gestampften, harmlos und wohlwollend klingenden think tank gehört der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück an. Neben ihm und weiteren europäischen Eliten sind auch drei milliardenschwere ukrainische Oligarchen mit im Boot.

Ziel der „Agentur“ ist es, die desaströsen ukrainischen Staatsfinanzen neu zu ordnen. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ist bei dieser finanzmarkthörigen Clique nicht schwer zu erahnen. Es wird sicherlich keine finanziell unabhängige Ukraine dabei herauskommen – aus einem Akt selbsloser westlicher Philanthropie heraus.

Zu erwarten ist vielmehr ein weiteres Anketten an IWF-Knebelkredite, die unter dem Deckmantel der Staatssanierung den Zugang westlicher Konzerne zum ukrainischen Markt erzwingen.

Ein Beispiel. In Komplizenschaft mit der von Korruption zerfressenen Regierung in Kiew setzt der Agrar-Multi Monsanto schon heute alles daran, den Anbau von in der Ukraine verbotenen, genetisch manipulierten Lebensmitteln in der „Kornkammer Europas“ zu erpressen. Zu Ramschpreisen wird großflächig fruchtbarstes Ackerland verscherbelt – klassisches land grabbing. Im Gegenzug für diese Plünderung ukrainischen Grund und Bodens fließen Milliarden-Kredite an die korrupte ukrainische Elite, und damit auch direkt zurück an westliche Banken.

Die Ukraine in die Abhängigkeit westlicher Finanzinstitute zu treiben und weiter in finanzielle Unmündigkeit zu zwingen – das ist genau die Art von „Modernisierung“, die wir jetzt auch von Steinbrück und Co. erwarten können.

Dieser Ausverkauf der Ukraine hat bereits im letzten Jahr absurdeste Züge angenommen, die an Dreistigkeit kaum zu übertreffen sind.

Abgreifen der Kronjuwelen

Im Mai 2014 kam die wunderbar zynische Nachricht aufs Tablett, Hunter Biden, der Sohn des US-Vizepräsidenten Joe Biden, wechselt zum größten privaten Gaskonzern der Ukraine, Burisma.

Biden Senior wiederum ist bekannt für seine Aktivitäten in der Ukraine, jeglichen Einfluss auf die Ernennung seines Sohnes zum Burisma-Vorstand weist er natürlich reflexartig von sich.

Auch Devon Archer, der aus dem Dunstkreis von Außenminister John Kerry stammt, wechselt zum Gas-Riesen Burisma. Der gesamte Vorstand des Unternehmens ist heute durchsetzt mit Figuren, die US-amerikanische Interessen vertreten. Sage und schreibe ein einziger Quoten-Ukrainier ist heute im Vorstand zu finden – eine Farce!

obama-biden-biden

Hunter Biden (r) ist neuer Vorstand im größten privaten Gaskonzern der Ukraine. Mit Präsident Obama (l) und seinem Vater Joe Biden (m).

Washington sieht in der Personalie Hunter Biden keinerlei Interessenskonflikt, er sei schließlich „eine Privatperson“. Nochmal: der Sohn des US-Vizepräsidenten leitet den größten privaten Gaskonzern in der Ukraine…

Die US-Elite steckt ihren Nachwuchs gezielt in Schlüsselpositionen der ukrainischen Wirtschaft, um diese zu unterwandern und auf US-Kurs zu trimmen, Korruption 2.0.

Jede solcher Aktionen ist immer auch ein Lackmustest der Öffentlichkeit. Wie unverschämt kannst du agieren, ohne dass dir jemand wegen deiner Schweinereien ernsthafte Probleme bereitet? Die feindliche Übernahme des Gas-Riesen Burisma hat die Messlatte ein ganzes Stück nach oben geschraubt. Der globale Aufschrei blieb aus.

Die ukrainische Regierung steht zum Verkauf

Die US-Amerikanerin Natalia Jaresko ist neue Finanzministerin der Ukraine.

Die US-Amerikanerin Natalia Jaresko ist neue Finanzministerin der Ukraine.

Ebenso ungehört  verhallt blieb auch eine Nachricht im Dezember 2014, deren Tragweite noch nicht abzusehen ist. Ein gefährlicher Präzedenzfall wurde geschaffen. Die US-Amerikanerin Natalia Jaresko erhielt im Schnellverfahren die ukrainische Staatsbürgerschaft und übernimmt den Posten der Finanzministerin im ukrainischen Kabinett.

Jaresko war CEO zweier US-amerikanischer Investmentfonds und arbeitete für das US-Außenministerium in Kiew. Neben der Veruntreuung von Millionen von Steuergeldern war sie in eine Sackladung weiterer krummer Geschäfte verwickelt.

Die richtige Frau also, um den desaströsen ukrainischen Staatsfinanzen wieder auf die Beine zu helfen? Oder nur ein weiteres Mittel, um den ukrainischen Kompass weiter Richtung Westen auszurichten? Es fällt schwer, hier nicht in Zynismus zu verfallen.

Neben Jaresko erhielten zwei weitere US-hörige Figuren im Eilverfahren die ukrainische Staatsbürgerschaft und leiten von nun an das Gesundheits- bzw. das Wirtschaftsministerium.

Wie es aussieht, ist es jetzt ohne Probleme möglich geworden, im Finanzsystem, in der Wirtschaft und sogar der Regierung eines fremden Landes, US-Marionetten zu installieren.

Es ist wirklich nicht schwer zu erraten, in wessen Sinne all diese Figuren ihre Arbeit verrichten werden, welchem Herr und Meister sie dienen. Sie scheren sich einen Dreck um die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine im Dienste ihrer Bevölkerung. Ihr Ziel ist es, das Land weiter an den Westen anzuketten; wirtschaftlich, militärisch, politisch.

Die Ukraine ist längst zum Spielball im geopolitischen Machtpoker verkommen.

Der taumelnde Riese

Das US-Imperium, gestützt von pudelgleichen Speichelleckern in Europa, hat seinen Zenit längst überschritten.

Als größte Wirtschaftsmacht wurden die USA im letzten Jahr bereits von China abgelöst. Der Dollar ist schon lange nicht mehr als ein schlechter Witz und würde ohne die Absicherung durch den omnipräsenten US-Militärapparat schon lange eine Währung unter vielen sein. Die US-amerikanische Gesellschaft zerbricht hingegen an der zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit im Land.

Die einstige Supermacht USA ist ein marodierendes Kartenhaus, das durch all seine immanenten Widersprüche bald zum Einsturz gebracht wird. Blanke militärische Gewalt verhindert diesen Einsturz bislang.

Die gesamte Welt weiß von alledem. Bis auf die westlichen Länder spricht sie das auch offen aus. Wir jedoch machen weiter Ohren, Augen, Mund zu und wollen nicht wahr haben, dass die Welt schon längst wieder multipolarer geworden ist. Als Komplizen profitieren wir natürlich von dieser Weltordnung.

25 Jahre globale US-Hegemonie haben den Planeten zugrunde gerichtet und müssen endlich überwunden werden.

Diese dreckigen Spielchen, wie wir sie gerade wieder in der Ukraine erleben, verlangsamen den Untergang des US-Imperiums möglicherweise, ja. Doch um welchen Preis? Ein weiteres Land, das im Chaos versinkt? Mal wieder eine Zivilbevölkerung, die auf dem Altar des Profits geopfert wird?

Wollten die USA wirkliche Größe beweisen, würden sie den unvermeidlichen Übergang von der uni- zur multipolaren Weltordnung anders gestalten. Sie würden in der Ukraine nicht schon wieder mit zutiefst korrupten Haien kollaborieren und damit ein gesamtes Land wirtschaftlich ausschlachten, sondern auf Transparenz, Kooperation und Diplomatie setzen. Als wäre eine gerechtere Welt auch irgendwie anders zu haben.

Es ist natürlich klar, dass diese hypothetische Welt mit diesen größenwahnsinnigen, auf Konfrontation gebürsteten Falken in Washington nicht zu machen ist.

„If the only tool you have is a hammer, every problem looks like a nail.“

Nehmen wir diesen Geisteskranken endlich ihren verdammten Hammer weg!


Title image derived from photosteve101 licensed under CC BY 2.0 (edited by JusticeNow!).

Leave a Reply