Mohammed bin Salman ist seit dem Mord von Istanbul das internationale Schmuddelkind. Doch der Weg zurück in den exklusiven Club der Mächtigen, der guten Tyrannen, kann so einfach sein.

 

Lieber Mohammed,

Du hättest es fast geschafft.

Lange hatte das Land Deiner Großväter ein denkbar schlechtes Image in der Welt, war geprägt, von religiösem Extremismus und der erbarmungslosen Unterdrückung seiner Frauen (und dann auch noch das mit dem 11. September).

Doch Du konntest all das über den Haufen werfen. Du bist der junge, dynamische Prinz, der einen gemäßigten Islam predigt und sich aufrichtig für die Rechte der Frauen einsetzt, ein Progressiver regelrecht, „der Saudi-Arabien ins 21. Jahrhundert herrüberreißt“, so sagt manch einer.

Du hast den Sportunterricht für Mädchen eingeführt, wegen Dir dürfen Frauen jetzt Auto fahren, in die Stadtverwaltung gewählt werden, ins Kino und zum Fußball gehen – und sich vielleicht sogar bald im Bikini am Strand bräunen. (Okay, Du steckst Frauenrechtlerinnen zunehmend hinter Gittern und folterst sie dort, aber hey, aller Anfang ist schwer und wer glaubt schon diesen linken Hippies von Amnesty International? – Schwamm drüber!)

Die westliche Welt lag Dir zu Füßen, The Rock ist Dein neuer Buddy, ebenso Oprah, Bill Gates und Elon Musk. Deine Bromanze mit Mark Zuckerberg entzückte das gesamte Silicon Valley Hipstertum (Mark konnte gar nicht genug Fotos mit Dir knipsen). Du trafst Dich mit Deinem Kumpel Mike Bloomberg auf einen Soja-Mochaccino im Starbucks in Manhattan und der weltberühmte linke Pulitzer-Preisträger Thomas Friedman schrieb in der linken New York Times einen 3.000-Wörter-Liebesbrief an Dich.

Alles lief wie geschmiert. Doch dann – Ohhh dann! – musstest Du ja unbedingt den Journalisten in Istanbul zersägen. Deine neuen liberalen Freunde wurden stinksauer. Ihre Regierungen würden so etwas niemals tun. Wie konntest Du ihnen – uns! – das nur antun? Du wurdest zum Schmuddelkind der Mächtigen. Nur Putin mag Dich noch. Und der Menschenfeind im Oval Office natürlich.

„Was soll der Aufschrei?“, empörst Du Dich. Vollkommen zu Recht, natürlich – schließlich machen all die anderen genau dasselbe wie Du. Von China, Indien, Putin, Netanyahu, Erdoğan bis hin zum hermetisch strafimmunen US Empire zersägen doch all die Großen ihre politischen Dissidenten – nur lassen die sich eben nicht dabei erwischen, wie sie Hollywood-Splatter in die Realität übertragen.

(Ja, kultureller Austausch ist richtig und wichtig, aber musstest Du ernsthaft Breaking Bads Walter White mimen und den garstigen Schreiberling in Fluorwasserstoffsäure auflösen?)

Die Weltgemeinschaft hat Dir übel mitgespielt, mein Lieber, „toxisch“ seist Du jetzt, so sagt man. Doch ich kann Dir einen Ausweg aufzeigen, Dir den Pfad zur Absolution aufweisen, kann Dir sagen, wie Du in den exklusiven Club der Mächtigen, der guten Tyrannen, wiederaufgenommen wirst, wie Du auf Familienfotos nicht mehr wie der Ausgestoßene am Rande verwelken musst:

Beende den Krieg im Jemen.

Tue dies und ich werde Dir das Zersägen des Schmierfinken verzeihen – und die Welt wird es auch. Noch zwei, drei mahnende Worte – der Etikette wegen – und die Prinzipientreuen der Wertegemeinschaft begrüßen Dich mit offenen Armen zurück in ihren unbefleckten Reihen.

Das ist der Preis, den Du zahlen musst.

Hochachtungsvoll,
Jakob, JusticeNow!


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V i e l e n  D a n k !

Article image by U.S. Department of State, Flickr, published under public domain (edited by Jakob Reimann, JusticeNow!).

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