Bei ihrer ersten Pressekonferenz seit der Nobelpreiszeremonie in Washington, D.C., rief Nadia Murad die internationale Gemeinschaft auf, IS-Kämpfer vor internationale Gerichte zu stellen, insbesondere für ihre Verbrechen gegen die irakischen Jesiden, deren Opfer Nadia selbst wurde.

Nadia Murad, die Friedensnobelpreisträgerin, die letzte Woche für ihre Arbeit zur Beendigung sexueller Gewalt als Waffe im Krieg geehrt wurde (JusticeNow! berichtete ausführlich), rief dazu auf, die Militanten des Islamischen Staats (IS) wegen ihrer Verbrechen gegen die jesidische Minderheit im Irak vor Gericht zu stellen.

Murad war eine von mehreren jesidischen Frauen und Mädchen, die 2014 von IS-Kämpfern in der irakischen Provinz Sindschar aus ihren Häusern entführt wurden. Sie berichtete, sie sei von Mitgliedern der Gruppe vergewaltigt worden, bevor sie entkommen konnte.

Nadia berichtet vor dem UN-Sicherheitsrat über ihre Geschichte, im Dezember 2015. By United Nations Photo, Flickr, licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

„Für mich bedeutet Gerechtigkeit nicht, all die Daesh-Mitglieder zu töten, die Verbrechen gegen uns begangen haben“, sagte Murad unter Verwendung des arabischen Akronyms für den IS am Montag im National Press Club in Washington, D.C. bei ihrer ersten Pressekonferenz seit der Nobelpreiszeremonie Anfang des Monats.

„Gerechtigkeit bedeutet, die Daesh-Mitglieder vor ein Tribunal zu bringen und zu sehen, wie sie vor diesem Gericht die Verbrechen, die sie gegen die Jesiden begangen haben, eingestehen und für diese Verbrechen dann bestraft werden“, so Nadia Murad weiter.

Im Jahr 2017 nahm eine UN-Untersuchung zu den vom IS begangenen Verbrechen ihre Arbeit auf und begann im August mit der Sicherstellung und Sammlung von Beweismaterial. Gerichtsverfahren gegen IS-Kämpfer, die von irakischen und syrischen Streitkräften durchgeführt wurden, stehen unter Kritik von Menschenrechtsgruppen, die behaupten, die Verfahren wären überstürzt und fehlerhaft durchgeführt und gründeten sich häufig auf Geständnisse, die unter Folter gewonnen wurden.

„Bisher gab es keine Gerechtigkeit für Jesiden, besonders nicht für die Opfer sexueller Sklaverei“, sagte Murad.

Sie appellierte auch an die Regierungen dieser Welt, sich engagierter dafür einzusetzen, Völkermord und sexuelle Gewalt zu bekämpfen und gemeinsam sicherzustellen, dass den Opfern Gerechtigkeit widerfährt, „insbesondere in den Fällen systematischer Vergewaltigungen, die von Daesh und anderen Gruppen begangen wurden“.

„Wir müssen zusammenarbeiten, um Völkermorde zu beenden, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die diese Verbrechen begehen und Gerechtigkeit für die Opfer zu erkämpfen“, sagte Nadia Murad weiter.

Seitdem sie dem IS entkommen konnte, ist Murad zu einer weltweit prominenten Stimme im Kampf gegen sexuelle Gewalt geworden.

2015 informierte sie den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über das Thema Menschenhandel und Konflikt und dient seit September 2016 als Sonderbotschafter für die Würde der Überlebenden des Menschenhandels der Vereinten Nationen (UNODC).

Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar erhalten 2016 den Sacharow-Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments. By European Parliament, Flickr, licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

Ein Jahr später wurde sie zusammen mit einer weiteren jungen jesidischen Frau, Lamiya Aji Bashar, auch mit dem renommierten Sacharow-Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments geehrt.

Nadia Murad wurde zusammen mit Denis Mukwege, einem Gynäkologen, der Opfer sexueller Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo behandelt, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.


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Dieser Artikel erschien zuerst auf Middle East Eye und wurde von Jakob Reimann für JusticeNow! übersetzt.

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Article picture by U.S. Department of State, Flickr, published under public domain.