Im Jemen herrscht seit über drei Jahren ein Krieg, in dem eine von Saudi-Arabien geführte Koalition gegen die nordjemenitischen Houthi-Rebellen kämpft. Die UN spricht kriegsbedingt von der „schlimmsten humanitären Katastrophe der Welt“. Seit den Morgenstunden des 13. Juni 2018 führt die Koalition* eine Großoffensive auf die wichtigste Hafenstadt des Landes, Hodeida, über die rund 80 Prozent aller Importe in den Jemen abgewickelt werden. Die UN warnt vor 250.000 Toten und 340.000 Vertriebenen.

Alle Hintergründe und Zusammenhänge des Jemen-Kriegs gibt es im sechsteiligen Jemen-Special auf JusticeNow!.

Alle aktuellen Hintergründe zur Schlacht um Hodeida im Artikel von JusticeNow!-Autor Jakob Reimann auf den NachDenkSeiten:   

Neue Informationen laufen im LIVE-TICKER chronologisch durchnummeriert von unten nach oben:


BITTE ZUNÄCHST BROWSER AKTUALISIEREN.


 

 

20. Juni

5. Saudi-Emirate-Koalition rückt in Wohnviertel vor, berichtet ein Korrespondent der saudischen Al Arabiya. Sprengstoffexperten würden die Wohnviertel von Minen befreien, während sich Truppen heftige Kämpfe mit Houthi-Rebellen liefern. „Bewaffnete Kräfte durchkämmen Wohngebiete der Stadt“, so der Korrespondent weiter. (Al Arabiya)
Kontext: Sollten sich diese Meldungen bestätigen, wäre dies in der Tat ein Novum, da es zwar bereits vereinzelte Luftschläge der Koalition innerhalb der Stadt gab, jedoch keine Bodentruppen, die sich bis jetzt in den Randbezirken wie dem Flughafen aufhielten.

4. Houthis feuern ballistische Rakete auf Ölgiganten Saudi Aramco, dies berichteten der Houthi-TV-Sender Al-Masirah sowie weitere jemenitische Medien. Die Rakete vom Typ Badr 1 flog auf eine Anlage von Saudi Aramco in Abha City in der Asi-Provinz im Süden Saudi-Arabiens. Die saudische Regierung gibt an, die Rakete wurde abgefangen. Ein Aramco-Sprecher erklärt gegenüber Reuters, „unsere Anlagen sind sicher und arbeiten ganz normal.“ (AhlulBayt News Agency, Reuters, Saba News Agency, Reuters)
Kontext: Saudi Aramco ist gleichzeitig das wertvollste und das profitabelste Unternehmen der Welt, in der jüngsten Vergangenheit versuchten die Houthi-Rebellen wiederholt, Anlagen des Ölgiganten zu zerstören.

3. Koalitionstruppen rücken auf wichtigen Knotenpunkt in Richtung Sana’a vor. Bereits in den letzten Tagen kam es am Kreisverkehr, der östlich von Hodeida in Richtung der Hauptstadt Sana’a führt, zu Kämpfen und Luftschlägen der Saudi-Emirate-Koalition. Die Koalition verschiebt jetzt verstärkt Truppen an diesen für die Houthis wichtigen Knotenpunkt, um den Rebellen die Nachschubrouten aus der von ihnen besetzten Hauptstadt abzuschneiden und so tendenziell nach Norden zu drängen.

2. Eindrücke aus Hodeida, VIDEO. (AFP, YouTube)

1. Flughafen unter Kontrolle der Koalition, nach eigenen Angaben, nach heftigen Kämpfen in der Nacht zu Mittwoch und mindestens 40 Luftschlägen der Koalition auf das Flughafenareal. „Der Flughafen wurde komplett gesäubert, Danke Gott, und ist nun unter Kontrolle“, erklärt Abdul Salaam al-Shehi, Kommandeur der Saudi-Emirate-Koalition, in einer Videobotschaft, die auf einer offiziellen Website der Emirate gepostet wurde. (Middle East Eye, Bangkok Post; Bara Shiban, Twitter)

Kontext: Die Saudi-Emirate-Koalition behauptete mehrfach, den Hodeida Flughafen erobert zu haben, die Houthis dementierten, neue Offensiven wurden gestartet, die vermeintlich zurückgeschlagen wurden. Es ist sehr schwer, Informationen zu verifizieren. Der Vollständigkeit halber werden Infos zum Flughafen im Ticker weiter dokumentiert.



19. Juni

9. Saudi-Emirate-Koalition tötet 6 Zivilisten in Hodeida, durch einen Luftangriff auf einen Bus in der Nähe der Ghirasi-Kreuzung, so Militärangehörige gegenüber jemenitischen Medien. Unter den Toten befinden sich vier Frauen. (Saba News Agency)

8. Über 26.000 Menschen in Hodeida sind bis jetzt vertrieben worden, so Stephane Dujarric, Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres in einem Statement am Montag. Mehr als 5.200 Familien wurden vertrieben. „Da die Kampfhandlungen weiter anhalten, erwarten wir, dass auch diese Zahlen weiter steigen“, Dujarric weiter. „Die Lage ist sehr verstörend“, meint Russlands Botschafter bei den UN, Dmitry Polyansk. Russland hat im Juni den Vorsitz im Sicherheitsrat inne. (teleSUR, The Boston Globe)

 

7. „Hodeida ist der Schlüssel nach Sana’a“. Auf einer Pressekonferenz erklärte Anwar Gargash, der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), „Hodeida zu befreien, ist der Schlüssel, um die Hauptstadt Sana’a zu befreien“, womit er oft geäußerte Befürchtungen bekräftigt, die Saudi-Emirate-Koalition lege wenig Wert auf eine diplomatische, politische Lösung des Jemen-Kriegs generell und die Großoffensive auf Hodeida sei keineswegs das Ende der militärischen Intervention der Koalition. (Gulf News)

6. VIDEO: Hodeida-Schlacht bedroht Lebensgrundlage von 250.000 Menschen. (Euronews)

Die Friedensgespräche des UN-Sondergesandten für den Jemen, Martin Griffiths (l) sind gescheitert. Hier mit dem Untersekretär des Houthi-Außenministeriums, Faisal Amin Abu-Rass (r). Screenshot from Al Jazeera, all rights reserved.

5. UN-Friedensgespräche für Hodeida gescheitert.

Der UN-Sonderbeauftragte für den Jemen, Martin Griffiths, scheiterte bei Versuchen, die Schlacht um Hodeida auf diplomatischem Wege beizulegen. Griffiths war seit Samstag zu Gesprächen in der Hauptstadt Sana’a und verließ heute das Land in Richtung Jordaniens Haupstadt Amman, ohne ein Statement abzugeben. Es gab keine „greifbaren Durchbrüche“, zitieren türkische Medien bei den Gesprächen anwesende Personen. Dieselben Quellen erklären, die Houthis lehnten Griffiths‘ Angebot ab, die Kontrolle des Hafens auf die UN zu übertragen, und erbaten um mehr Zeit, um den Vorschlag „zu studieren“. Per Videokonferenz erklärte Griffiths dem UN-Sicherheitsrat, er sei „hoffnungsvoll, eine erste Runde Vorverhandlungen könnte im nächsten Monat stattfinden“. (Anadolu Agency, AFP, AFP, The National, Middle East Monitor)

Kontext: Unmittelbar vor Beginn der Großoffensive auf Hodeida stimmten die Houthis Griffiths‘ Vorschlag zu, die Kontrolle des Hafens auf die UN zu übertragen. Die Saudi-Emirate-Koalition startete dennoch ihren Angriff. Nach Beginn der Kampfhandlungen waren Szenarien, in denen Griffiths‘ Plan Erfolg haben könnte, nur noch schwer vorstellbar.

4. Koalitionstruppen rücken auf Hodeida City vor, berichten arabische Medien. (Asharq Al-Awsat, Twitter)

3. Houthis haben „Versorgungslinien der Angriffskoalition abgeschnitten“, so ein Houthi-Sprecher gegenüber iranischen Medien. Mohammed al-Bakhiti erklärt weiter, die Koalitionstruppen seien „jetzt umzingelt … in den Medien vermelden sie lediglich Propaganda über ihre Erfolge.“ Auch habe der „Fokus auf die Küstengebiete“ um Hodeida den Houthi-Truppen „den Weg geebnet, um an anderen Fronten voranzuschreiten.“ (Fars News Agency)

Kontext: Die Verifizierung militärischer Informationen ist in der Tat ein großes Problem im Jemen-Krieg, speziell in der Schlacht um Hodeida, wie insbesondere sich widersprechende Meldungen über die Lage am Hodeida Flughafen verdeutlichen. Beide Seiten und ihnen wohlgesonnenen Medien betreiben zweifelsohne auch einen Propagandakrieg.

2. Bislang 253 Truppen der Saudi-Emirate-Koalition in Schlacht um Hodeida getötet, 43 davon bei Kämpfen am Wochenende, berichten iranische Medien unter Berufung auf den stellvertretenden Gouverneur von Hodeida, Ali Qashar, und weitere jemenitische Regierungsquellen. Unter den Toten befinden sich mutmaßlich auch der stellvertretende Oberbefehlshaber der emiratischen Streitkräfte, Major General Eisa Saif al-Mazrouei sowie weitere hochrangige Militärs. (Fars News Agency, MEHR News Agency,  ANNA News)

1. Kämpfe um Hodeida Flughafen eskalieren. Am Dienstagmorgen trafen „erhebliche Verstärkungen“ der Koalitionstruppen im Areal rund um den Flughafen ein, die daraufhin eine erneute Offensive zur vollständigen Eroberung des Flughafens von Houthi-Truppen starteten. Unterstützt von massiven Luftschlägen auf Houthi-Positionen stürmten Koalitionstruppen das Gelände. Houthis antworteten mit Panzer-, Artillerie- und Mörserbeschuss. Selbstmordanschläge von Houthi-Milizen werden berichtet. (Hürriyet, AFP, Al Jazeera; Sky News Arab, Twitter)



18. Juni

9. 10-15 Zivilisten duch Koalitionstruppen nahe Hodeida getötet, berichtet Yehia Tanani, der mit seiner Familie und „der gesamten Dorfgemeinschaft“ aus einem Dorf im Hodeida-Gouverment vor den Luftschlägen der Saudi-Emirate-Koalition geflohen ist, auf DemocracyNow!: „Die, die getötet wurden, liegen jetzt in den Kühlschränken im Krankenhaus. Wir wissen von 10 bis 15 Leichen in den Kühlschränken. Und wir wissen nicht einmal, wer unser Feind ist.“ (DemocracyNow!)

8. Houthis attackieren Versorgungslinie der Koalitionstruppen im Süden von Hodeida, und verlangsamen so den Nachschub der Koalition, die sich rund um Hodeida positionieren und nun auf Ausweichrouten angewiesen sind. Der Angriff auf die Koalitionstruppen fand in der Nacht statt, die Koalition reagierte mit Beschuss durch Apache-Helikopter. (Bloomberg)

7. Houthi-Drohnenangriff auf gepanzerte Koalitionsfahrzeuge. Bei dem mutmaßlichen Angriff in der Hodeida-Provinz wurden laut Houthi-Militärs „Dutzende von Saudi-Arabien bezahlte Söldner getötet und verwundet“. (Saba News Agency)

6. Houthis errichten weitere Blockaden um Flughafen-Areal, um so den Zugang für Koalitionstruppen zu behindern. (Fatima Alasrar, Twitter)

5. VAE fordern „bedingungslosen“ Rückzug der Houthis aus Hodeida, so Anwar Gargash, der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). „Wenn die Rebellen Bedingungen setzen wollten, hätten sie vor einem Jahr daran denken sollen … Jetzt ist nicht die Zeit zu verhandeln.“ Der Kopf der inoffiziellen Houthi-Regierung, Abdulaziz Saleh bin Habtoor, beschuldigt hingegen die Saudi-Emirate-Koalition, sie hätte „ihre Angriffe auf die Westküste eskaliert, als sie erkannten, dass es ernsthafte Schritte in Richtung einer Lösung gab“. (AFP)

4. Weiter massive Gefechte rund um Hodeida Flughafen. Am Montagmorgen kam es erneut zu schweren Gefechten im Gebiet rund um den Hodeia Airport. Kampfjets der Saudi-Emirate-Koalition bombardierten Houthi-Rebellen, die sich auf dem Flughafen-Areal verschanzen. Apache-Helikopter nehmen Houthi-Sniper auf Schulen und Wohnhäusern unter Beschuss. Houthi-Kämpfer reißen auf Zugangsstraßen zum Flughafen die Straße aus, um der Saudi-Emirate-Koalition den Zugang zu erschweren. (Reuters, Sputnik, Russia Today)

3. Saudi-Emirate-Koalition inhaftiert weltberühmte jemenitische Menschenrechtler. Soeben wurden Radhia Almutawakel, die Vorsitzende, sowie Abdulrasheed Alfaquih, Geschäftsführer der renommierten jemenitischen Menschenrechtsorganisation Mwatana Organization for Human Rights an einem Flughafen im Hadramaut-Distrikt von Sicherheitskräften der Saudi-Emirate-Koalition inhaftiert. Beide waren auf dem Weg nach Oslo, um an einer Veranstaltung des Center for Humanitarian Dialogue teilzunehmen. Almutawakel sprach 2017 vor dem UN-Sicherheitsrat über den Krieg im Jemen. (Just Security)

Mwatana dokumentiert Menschenrechtsverletzungen vor Ort und fordert die Einrichtung einer internationalen Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen aller Kriegsparteien sowie das sofortige Ende von Waffenverkäufen an die Kriegsparteien. Das  Video Abandoned Yemen (‚Im Stich gelassener Jemen‘) der Menschenrechtsorganisation vom September 2017 gibt einen Überblick über den Krieg und die Menschenrechtsverletzungen im Jemen:

„Die Tage der Houthis in Hodeida sind gezählt”, Anwar Gargash, Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate. By UN Geneva, Flickr, licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

2. „Die Tage der Houthis in Hodeida sind gezählt“ – VAE. „Die volle Kontrolle über Hodeida ist nur eine Frage der Zeit. Wir sind extrem sorgsam beim Schutz der Zivilbevölkerung“, so Anwar Gargash, der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auf einer Pressekonferenz in Dubai. „Hodeida ist für die Houthis eine Gelddruckmaschine“, durch den Handel von diesem Hafen aus machten sie drei Milliarden Dollar, so Gargash, ohne jedoch einen Zeitrahmen zu nennen. „Die VAE schätzen, dass es in Hodeida noch immer 2.000 bis 3.000 Houthi-Milizionäre gibt.“ „Wir sind überzeugt, dass die Houthis das einzige Hindernis [zum Frieden] im Jemen sind … Wir sind an einem Wendepunkt angelangt. Solange die Houthis Hodeida halten, werden sie den politischen Prozess weiterhin behindern. Unser strategisches Ziel ist es, den Krieg im Jemen zu beenden, und das ist nicht möglich, während die Houthis Hodeida kontrollieren“. (ReutersGulf News)

Kontext: Die Houthis waren bereit, nur wenige Tage vor Beginn der Großoffensive auf Hodeida ein entsprechendes Angebot des UN-Sondergesandten für den Jemen, Martin Griffiths, anzunehmen, welches enthielt, dass die Houthis sich aus Hodeida zurückziehen und die UN die Kontrolle über den Hafen übernehme. Kurz darauf begann die Offensive der Koalition. Siehe Artikel in den NachDenkSeiten.

1. Über 43 Luftschläge der Saudi-Koalition in letzten 24 Stunden. Allein 25 davon im Areal des Hodeida Flughafens. (Saba News Agency)



17. Juni

10. Houthis feuern Rakete auf Saudi-Arabien. Ziel der am frühen Nachmittag aus der Sa’da-Region abgefeuerten Rakete war laut Angaben saudischer Militärs die Stadt Jazan im Süden Saudi-Arabiens. Während jemenitische Medien angeben, saudische Soldaten seien getötet und weitere verletzt worden, behauptet das saudische Militär, die Rakete abgefangen zu haben, die daraufhin in unbewohntem Wüstengebiet zu Boden ging. Ein Pakistani sei von Schrapnelteilen verletzt worden. (Saba News AgencyArab NewsSaudi Press Agency, Al Arabiya, Twitter)

9. „Kriegsverbrechen“: Koalition bombardiert Krankenhaus in Hodeida. Der OP-Saal des Al-Thawra Hospital inmitten der Stadt wurde von der Saudi-Emirate-Koalition bombardiert, berichten jemenitische und iranische Medien [a]. Das jemenitische Gesundheitsministerium nennt den Angriff in einem Statement „Kriegsverbrechen“. Abdual-aziz al-Dailami, der stellvertretende Gesundheitsminister des Jemen, verurteilt den Angriff auf das Krankenhaus scharf. Bereits am Dienstag zerstörte die Saudi-Emirate-Koalition ein von Doctors Without Borders betriebenes, neu eröffnetes Zentrum zur Behandlung von Cholera in Abs, nördlich von Hodeida. ([a] Fars News Agency, AlmasirahSaba News Agency; [b] Jemenitisches GesundheitsministeriumNPR)

Kontext: Die Saudi-Emirate-Koalition hat seit Kriegsbeginn im März 2015 immer wieder Krankenhäuser bombardiert: Allein in den ersten neun Monaten des Krieges kam es zu 130 Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen, Internationale Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen mussten über längere Zeiträume hinweg aus Selbstschutz ihre Tätigkeit im Jemen komplett einstellen. Das oben zitierte Statement des jemenitischen Gesundheitsministeriums spricht von Angriffen auf „mehr als 400 Gesundheitseinrichtungen“ und „mehr als 62 Krankenwagen“ seit Kriegsbeginn. Siehe dazu auch: #1 des Jemen-Specials: Zwischen Cholera und Hungersnot – Der humanitäre Alptraum des Jemen-Kriegs

8. 4.458 Familien aus Hodeida vertrieben, seit Anfang Juni, so die Zahlen der UN-Nothilfe vom Sonntag. 36 Familien haben ihre Lebensgrundlage verloren, da ihre Farmen zerstört wurden. (UNOCHAAhram Online, PressTV)

7. „Der Angriff der Emirate und Saudis auf Hodeida muss gestoppt werden“, erklärt Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlignswerks, welches im Jemen sehr aktivist, gestern in einem Tweet (Jan Egeland, Twitter):

Übersetzung: Es ist sehr wenig Zeit: Wir müssen eine gemeinsame Botschaft von allen UN-Organisationen und NGOs haben: Der von den VAE/Saudi-Arabien geführte Angriff auf Hodeida muss gestoppt werden. Die UN muss den Hafen von den Houthis übernehmen. UN-Sondergesandter muss Zeit bekommen, um Friedensgespräche zu führen. Schläft die Diplomatie der USA, Großbritanniens und Frankreichs?

6. Papst Franziskus fordert Kriegsparteien zu Verhandlungen auf. In einer öffentlichen Rede am Sonntag erklärte Franziskus, er verfolge „mit Sorge das dramatische Schicksal der Menschen im Jemen, die erschöpft sind von Jahren des Konflikts so.“ Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, „keine Anstrengungen zu scheuen, die Konfliktparteien schnellstmöglich an den Verhandlungstisch zu bringen und eine Verschlechterung der bereits tragischen humanitären Situation zu vermeiden.“ (Business Insider)

5. Aktuelle Kämpfe und Truppenbewegungen:

4. Houthis drohen, Flughafen-Terminal in die Luft zu sprengen, wenn die Saudi-Emirate-Koalition ihre Offensive auf Hodeida fortführt, berichten emiratische Medien unter Berufung auf Aussagen zwei gefangengenommener Houthi-Kämpfer. Houthis hätten „Sprengstoff am Terminal angebracht“ sowie „Tausende Landminen im Flughafen ausgelegt“, erklärt Omar Saleh, Lieutenant der dem jemenitischen Milär angegegliederten Al-Amalikah Brigade, der die zwei Gefangenen verhört hat. (The National)

3. Saudi-Koalition bombardiert Hodeida Flughafen. Offensichtlich werden noch immer Teile des Flughafenareals von Houthi-Rebellen gehalten, Kämpfe halten weiter an. (Reuters)

UN-Sondergesandter für den Jemen, Martin Griffiths (l) mit dem Untersekretär des Houthi-Außenministeriums, Faisal Amin Abu-Rass (r) zu Friedensgesprächen in Sana’a. Screenshot from Al Jazeera, all rights reserved.

2. Houthis haben Anreiz, Friedensplan zuzustimmen, Saudi-Koalition nicht. Samaa al-Hamdani, politische Analystin am Sanaa Center for Strategic Studies, erklärt, die Houthis hätten einen Anreiz, dem Vorschlag von UN-Sondergesandten Griffiths (Siehe Ticker-Eintrag 1. Von heute) zuzustimmen: „Wenn sie diesen Krieg fortführen, können sie bis zum Tod kämpfen und wahrscheinlich verlieren, weil sie nicht über die Mittel verfügen, die den Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien zur Verfügung stehen“. Die saudische Koalition könnte jedoch weniger geneigt sein, dem Plan zuzustimmen: „Ihr Ruf steht auf dem Spiel … Sie wollen reingehen, kämpfen und einen klaren Sieg einstreichen.“ (Middle East Eye)

 

1. UN-Sondergesandter zu Friedensgesprächen im Jemen. Gestern landete Martin Griffiths in der Hauptstadt Sana’a, um sich zu Friedensgesprächen mit beiden Konfliktparteien zu treffen. Griffiths ließ bislang noch kein Statement ab, doch es wird erwartet, dass er sein in den Tagen vor der Offensive bereits ausgesprochenes Angebot erneuern und bekräftigen wird, dass die Houthi-Rebellen sich aus der Stadt zurückziehen und die UN die Kontrolle des Hafens übernimmt, um so ein Ende der Kampfhandlungen und den Rückzug der Koalitionstruppen aus der Hafenstadt zu erwirken. (Times of Israel, AFP, Al Jazeera, Xinhua)

Übersetzung: „Da die Vereinigten Staaten den Platz geräumt haben und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen weiterhin gespalten ist, ist Herr Griffiths jetzt die einzige Person, die ein Wunder vollbringen kann. Im #Jemen ist es eine Minute vor Zwölf.”



16. Juni

9. Hodeida „wird am Ende aussehen wie Raqqa, West-Mossul oder Ost-Aleppo“, zieht der weltberühmte Journalist Patrick Cockburn den treffenden Vergleich zu Städten in Syrien und Irak, die bei der „Befreiung von Terroristen“ (dasselbe Vokabular vernehmen wir aktuell von der Saudi-Koalition) teilweise buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht wurden. Cockburn weiter: „Die Bodentruppen agieren als Putzkolonne, nachdem Luftangriffe zuvor alles ausradiert haben.“ (Independent) Siehe dazu etwa: Die US-Koalition begeht schwerste Kriegsverbrechen in der IS-Hauptstadt Raqqa

8. Pentagon soll US-Rolle in Hodeida-Offensive „vollständig offenlegen“, Bernie Sanders, sowie Mike Lee und Chris Murphy. In einem Schreiben an das US-Verteidigungsministerium fordern die drei US-Senatoren, das Pentagon solle „das volle Ausmaß der Rolle des US-Militärs … unverzüglich offenzulegen, einschließlich des Einsatzes von Special Forces, sowie jede Rolle, die das Pentagon im Angriff auf den Hodeida Port einnimmt, gefragt wurde einzunehmen oder plant einzunehmen.“ Die Drei fordern von Verteidigungsminister James Mattis, „eine öffentliche Erklärung gegen den bevorstehenden Angriff [auf den Hodeida Port] abzugeben“ und darauf zu drängen, dass die Saudi-Koalition „einen sofortigen Waffenstillstand und eine politische Lösung akzeptieren sollten“. (Russia Today)

7. Schlacht zwischen Houthis und pro-Hadi-Kräften, VIDEO. Diese Video soll den Einschlag einer Mörsergranate der Houthis auf pro-Hadi-Truppen im Al-Buka-Distrikt zeigen. Eine Person wird scheinbar genau vom Mörser erfasst, eine weiter fällt verletzt zu Boden, einige andere können davonrennen. (Yemen Observer, Twitter)


6. Versorgungslinie zur Hauptstadt Sana’a für Houthis abgeschnitten. Nachdem gestern bereits die Hauptstraße nach Sana’a, die weiter von den Houthis gehalten wird, von der Koalition bombardiert wurde (s. gestrigen Eintrag 3.), drängen von den Emiraten kontrollierte Milizen unter dem Schutz saudischer Kampfjets aktuell in den Osten von Hodeida vor, um die wichtige Verbindungsstraße zu besetzen und so den Houthis die Versorgungslinie aus der Hauptstadt zu durchtrennen, wie Augenzeugen und die jemenitische Regierung erklärten. Ziel der Maßnahme ist das Vertreiben der Houthis aus Hodeida Richtung Norden in die Provinz Hajjah. (Associated Press)

Siehe dazu erklärendes Kartenmaterial (Baraa Shiban, Twitter):

5. Mindestens 280 Tote in Schlacht um Hodeida, so die bisherige Gesamtopferzahl [a]. Die Verteilung der Toten auf die verschiedenen Parteien ist schwer ermittelbar, die meisten Opfer sind jedoch auf Seiten der Houthis zu verzeichnen. Sky News Arabia gibt die Zahl getöteter Houthis gar mit 390 an, sowie weitere 600 Verletzte [b], Zahlen, die jedoch noch nicht anderweitig verifiziert werden konnten. Laut jemenitischen Funktionären seien „Dutzende“ Soldaten der Saudi-Emirate-Koalition getötet worden, die meisten durch Landminen, Sprengfallen oder Houthi-Sniper. ([a] The Guardian, The Independent; [b] Sky News Arabia, Twitter)

4. UPDATE HODEIDA FLUGHAFEN. Gestrige Berichte, die Saudi-Emirate-Koalition* hätte die Houthi-Rebellen vom Hodeida Flughafen vertrieben und die volle Kontrolle über den Flughafen erlangt (siehe Ticker-Eintrag), waren offensichtlich falsch, siehe etwa [a]. In der Nacht kam es noch immer zu heftigen Kämpfen im Flughafen-Areal [b]. Heute Nachmittag wurde dann breit über die Eroberung des Flughafens berichtet [c], unter Berufung auf Hadi-Funktionäre und weitere Regierungsquellen. Eine Stellungnahme von Seiten der Houthis fehlt bislang. Die Houthis haben das Flughafen-Areal vermint, die Minenräumung wird gegenwärtig von Spezialisten durchgeführt. ([a] [b] Baraa Shiban, Twitter; [c] Deutsche Welle, NBC News, Middle East Monitor, Sky News, Associated Press)

Macrons Verteidigungsministerium hat um dessen Rolle im Jemen nachweislich gelogen. Dies könnte eine Krise für den Präsidenten zur Folge haben. By EU2017EE Estonian Presidency, Wikimedia Commons, licensed under CC BY 2.0.

3. BREAKING: Französische Special Forces im Jemen aktiv, berichtet Reuters unter Berufung auf die französosiche Zeitung Le Figaro, die wiederum zwei Militärquellen zitiert [a]. Die französischen Special Forces sind in die Verbände der Vereinigten Arabischen Emirate eingegliedert, der treibenden Kraft der Großoffensive auf Hodeida, doch Details über deren Aktivitäten nennt Le Figaro nicht. Noch am Freitag versicherte das französische Verteidigungsministerium, Frankreich sei weder militärische Operationen in der Hodeida-Region involviert noch Teil der Saudi-Emirate-Koalition [b]. Diese Affäre könnte sich potentiell zu einer Krise für die Macron-Regierung ausweiten. ([a] Le FigaroReuters, Middle East Monitor; [b] Sputnik News)

2. Schwere Kämpfe zwischen Houthis und Hadi-Truppen, VIDEOS. Die folgenden Videos und Bilder dokumentieren laut Yemen Observer eine Schlacht zwischen Houthi-Rebellen und pro-Hadi-Milizen:

Houthis feuern Antipanzerlenkwaffe (ATGM) auf Fahrzeug von pro-Hadi-Milizen im Al-Buka-Distrikt, östlich von Hodeida:

 

Houthi-Kämpfer schießen von Bergen hinab:

 

Pro-Hadi-Soldaten fliehen aus ihren Verteidigungsstellungen: 

 

Pro-Hadi-Soldaten fliehen unter heftigem Houthi-Feuer:

 

Houthis feuern Mörser auf Gruppe Soldaten nahe ihres Fahrzeugs:

 

Verwundete Soldaten werden gefangengenommen:

 

Von Houthis nach der Schlacht konfiszierte Waffen:

 

Hadi-Soldaten in Houthi-Krankenhaus:

(Yemen Observer, Twitter; alle Materialien)

 

1. Mehr als zwei Drittel aller Jemeniten abhängig von Lebensmittelimporten über Hodeida Port, erklärt Jolien Veldwijk, stellvertretende Direktorin von Care International in Jemen in Interview mit Al Jazeera. „Schon vor der Offensive auf Hodeida waren bereits 8 Millionen Jemeniten von akutem Hunger bedroht. Diese Zahl wird in die Höhe schießen, auch wenn der Hafen nur für einen Tag geschlossen ist.“ Alle anderen jemenitischen „Häfen haben nicht die Größe, um die Importmengen zu verarbeiten, die benötigt werden, um die Menschen im Jemen zu ernähren … Sie sind viel kleiner und können vielleicht nur 30 Prozent stemmen von dem, was benötigt wird.“ Diese Einschätzung der erfahrenen Nothelferin steht im direkten Widerspruch zu wiederholten Behauptungen der Saudi-Koalition, andere Häfen im Jemen könnten die Versorgung der Bevölkerung problemlos übernehmen. (Al Jazeera)
Siehe dazu: #1 des Jemen-Specials: Zwischen Cholera und Hungersnot – Der humanitäre Alptraum des Jemen-Kriegs



15. Juni

#6 des JusticeNow!-Jemen-Specials: Die Blutspur der USA – Die Gewalt des US Empire im ärmsten Land der Arabischen Welt

11. Pentagon räumt Beteiligung an Hodeida-Offensive ein. Im Interview mit emiratischen Medien versichert der Pentagon-Sprecher Major Adrian Galloway, die USA „sind nicht an offensiven Operationen in Hodeidah beteiligt“, und widerspricht sich daraufhin: „Unsere Unterstützung für die Koalition besteht aus Luftbetankung von Koalitionsflugzeugen und nachrichtendienstlicher Unterstützung“. (Luftbetankung saudischer Kampfjets ist zweifelsohne eine „Beteiligung an offensiven Operationen“) (The National) Über die Rolle der USA im Jemen siehe #6 des Jemen-Specials: Die Blutspur der USA – Die Gewalt des US Empire im ärmsten Land der Arabischen Welt

10. USA und UK sprechen sich in UN gegen sofortigen Waffenstillstand in Hodeida aus. Der Versuch der schwedischen Regierung als nicht-ständiges Mitglied, in einer Sondersitzung des 15-köpfigen UN-Sicherheitsrats eine Erklärung zu verabschieden, die das sofortige Ende der Kampfhandlungen in Hodeida fordert, scheiderte an der Opposition der britischen und der US-Regierung. „Das Scheitern bei der UN bedeutet, dass die Saudi-Emirate-Koalition den direkten Angriff auf den Hodeida Port fortführen kann“, resümiert der Guardian zutreffend. (The Telegraph, The Guardian)

9. Koalition erlangt volle Kontrolle über Hodeida Flughafen. Nach „schweren Luftangriffen“ der Saudi-Koalition auf Houthi-Stellungen rund um den Flughafen und der „vollständigen Zerstörung ihrer Befestigungsanlagen“ zogen sich die Houthi-Rebellen vom Flughafen zurück. (HdeidahMubasher, Twitter; Xinhua)

8. Koalition erobert Eingang zum Flughafen von Hodeida, erklären drei Quellen vor Ort unabhängig voneineander gegenüber Reuters. (Reuters)

Die aufgrund massiver im Irak und Afghanistan begangener Kriegsverbrechen berühmtberüchtigte Söldnerfirma Blackwater (die heute Academi heißt) hat seit Langem Hunderte bezahlte Söldner, vor allem aus Südamerika, im Jemen.

7. „Der Sieg ist nahe” – Präsident Hadi ist zurück im Jemen. Nach Jahren im saudi-arabischen Exil, mit keinerlei Einfluss auf das Geschehen im Jemen, landeten der illegitime Präsident Hadi, sein Premierminister bin Daghr, sowie weitere Minister und hochrangige Beamte heute Morgen in der südlichen Hafenstadt Aden. Unter massiver Präsenz von Sicherheitskräften bedankte sich Hadi überschwänglich bei den „aufrichtigen und rechtschaffenden Brüdern der Saudi-Koalition“ und erklärte: „Der Sieg ist nahe, näher sogar, als viele sich vorstellen können.“ (Xinhua, Gulf News)
Kontext: Hadis Lob der Saudi-Koalition ist eine Farce: Hadi selbst war entschieden gegen die Offensive auf Hodeida, die Koalition erzwang seine Zustimmung, siehe Ticker-Eintrag von gestern.

6. Houthis attackieren bezahlte Söldner der Koalition. Wie schon am Donnerstag feuerten Houthi-Rebellen auch am Freitag eine ballistische Rakete auf eine „große Ansammlung“ von  Saudi-Arabien bezahlter Söldner und richteten „schweren Schaden“ an, die Fahrzeuge der Söldner wurden zerstört, berichtet das jemenitische Verteidigungsministerium.  (Saba News Agency, Saba News Agency)
Kontext: Es ist lange bekannt, dass im Jemen-Krieg Hunderte bestens ausgebildeter Söldner an Seite der Koalition kämpfen. Die Emirate importierten diese hauptsächlich aus Südamerika über ein Programm, das von Erik Prince ins Leben gerufen wurde, dem Kopf der verrufenen US-Söldnerfirma Blackwater (die nach mehreren Namensänderungen heute Academi heißt). (New York Times)

Update: Dieses Bild zeigt mutmaßlich die Rakete vom Typ Toshka, die die Houthis auf Söldner in Hodeida abfeuerten. (Central Media)

5. Koalitionstruppen stehen nur „Meter“ vor Hodeida Flughafen. Nach heftigen Kämpfen mit Houthi-Rebellen in der Nacht stehen Koalitions-Kämpfer aktuell im Al-Manzar-Viertel, nur „Meter“ vom Flughafen entfernt, wie jemenitische Militärs erklären. Houthi-Stellungen werden bombardiert. Viele Bewohner flohen bereits ins Stadtzentrum von Hodeida. (Sky News Arab, The National, Reuters)

4. 128 Houthis in Schlacht um Hodeida getötet, nennen „Jemenitische Militär-Quellen“ gegenüber Sky News Arab die Gesamtzahl bisher getöteter Houthi-Rebellen. Ein hochrangiger Houthi-Kommandeur ist unter den Toten, Brigade-General Ibrahim Mohammed al-Moutawkel. (Sky News Arab)

3. Koalition bombardiert Hauptstraße nach Sana’a, um Truppenbewegung und andere Verstärkung aus der von den Houthis gehaltenen Hauptstadt Richtung Hodeida zu blockieren. Damit ist jedoch auch die Lieferung von Hilfsgütern in Richtung Sana’a massiv erschwert. (The Jerusalem Post, Independent.ie, The National)

2. Saudi-Koalition schickt Tausende Kämpfer als Verstärkung nach Hodeida. (Sky News Arabia)

1. Sieben Zivilisten getötet. Am Donnerstag wurden in mindestens 17 Luftschlägen und durch Artilleriebeschuss der Koalition* auf zivile Ziele in verschiedenen Provinzen vier Zivilisten getötet. (Saba News Agency, IRNA)

 



14. Juni

9. Jemens Exil-Präsident Hadi wurde gezwungen, Hodeida-Angriff zuzustimmen.

Eine „wohl informierte jemenitische Quelle“ berichtet gegenüber Middle East Eye (MEE): Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollten den Angriff auf Hodeida „zunächst ohne Hadis Support durchführen“. Doch dann „schwand die internationale Unterstützung“ für die Operation. Bei einem Treffen Hadis mit dem VAE-Außenminister am Montag und einem weiteren mit dem Kronprinzen der VAE am Dienstag wurde Hadis Zustimmung schließlich erzwungen: „Die VAE fanden, dass sie Hadis Legitimität brauchten. Hadi hatte keine andere Wahl, als zu akzeptieren. Ihm waren die Hände gebunden.“ (Middle East Eye)

#4 des JusticeNow!-Jemen-Specials: „Das Achte Emirat Südjemen“

Kontext dazu: Die Saudi-Koalition ist tief in zwei Lager gespalten. Die Saudis wollen „nur“ ihre Grenzen vor den Houthis sichern und politischen Einfluss in Sana’a zurückgewinnen (siehe #2 des JusticeNow!-Jemen-Specials), Jemens illegitimer Exil-Präsident Hadi ist in diesem Lager. Den Emiraten ist der Kampf gegen die Houthis im Prinzip gleichgültig, sie verfolgen ehrgeizig die Sezession des Südjemen, den sie in ihre ureigene Kolonie verwandeln wollen. Das Warum und alle weiteren Hintergründe dazu in #4 des Specials: „Das Achte Emirat Südjemen“ (welches nebenbei bemerkt auf Englisch und Französisch auch im hier zitierten Middle East Eye erschien).

8. US-Regierung leugnet Unterstützung der Koalition. Das US-Verteidigungsministerium erklärt, es „unterstützt nicht direkt die Operation der Koalition im Hafen von Hodeida“. (Al Jazeera Breaking, Twitter) Siehe dazu: USA vertiefen ihre Rolle in der Schlacht um Hodeida. (Wall Street Journal)

7. Koalitionstruppen erobern Al-Durayhami-Distrikt. Nach eigenen Angaben haben die Koalitionstruppen die volle Kontrolle über den Al-Durayhami-Distrikt südöstlich von Hodeida erlangt. (Markito 0171, Twitter; Asharq Al-Awsat)

Damit ergibt sich folgender Frontverlauf:

Frontverlauf in Hdoeida, Jeme, Nachmittag 14. Juni 2018. By Jakob Reimann, JusticeNow!, licensed under CC BY-ND 4.0.

 

6. Houthis feuern Rakete auf Saudi-Arabien. Die saudi-arabische Luftwaffe konnte am Nachmittag eine ballistische Rakete abfangen. Ziel war die Stadt Chamis Muschait knapp 150 km von der saudisch-jemenitschen Grenze entfernt. Bereits am Mittwoch, 13. Juni, konnten die Saudis eine ballistische Rakete abfangen. (Arab News)

5. 32 Houthi-Kämpfer getötet, bei Kämpfen im Stadtzentrum von Hodeida, laut Korrespondent vor Ort. Auch wurden neun Soldaten der Koalition getötet. (SkyNews Arabia, Twitter; The New Arab)

4. Frontlinie und Ereignisse um die Mittagszeit:

Frontlinien und Ereignisse in Hodeida, Jemen zur Mittagszeit am 14. Juni 2018. By Jakob Reimann, JusticeNow!, licensed under CC BY-ND 4.0.

 

3. Kämpfe in Al Durayhami. Gegen 9 Uhr griffen Koalitionstruppen* Houthi-Kämpfer in Al Durayhami an, südöstlicher Randbezirk von Hodeida. (SkyNews Arabia, Twitter)

2. Kämpfe in Al Nikheila. Gegen 8 Uhr griffen Koalitionstruppen* Houthi-Kämpfer in Al Nikheila an, südöstlicher Hodeida, und rücken weiter Richtung Flughafen vor. (Business InsiderSkyNews Arabia, Twitter)

1. Bodenoffensive auf Hodeida noch nicht gestartet [a]. Auch die Offensive auf den Hodeida Flughafen begann noch nicht [b], so der Analyst Baraa Shiban vom Sanaa Centre unter Berufung auf seine örtlichen Kontakte. (Baraa Shiban, Twitter; a, b)

 



13. Juni: Die Schlacht um Hodeida beginnt

12. Vier Soldaten der Emirate getötet. Vier Navy-Soldaten der Vereinigten Arabischen Emirate verschiedener Ränge wurden getötet. (Yemen Observer, Twitter)

11. VIDEO: Verstärkung Koalitionstruppen*. „Ein Konvoi aus Militärfahrzeugen ist zur Unterstützung der jemenitischen Kräfte auf dem Weg zur Schlacht von Hodeida.“ (AFP, Twitter)

10. Landesweite Verstärkung der Houthi-Truppen. „Die Houthis haben Kämpfer und Fahrzeuge aus verschiedenen Teilen des Jemen entesendet, um ihre Stellungen [in Hodeida] zu verstärken, und sind bereit, sich allen Vorstößen der Koalitionsstreitkräfte entgegenzustellen“, erklärt Pro-Houthi-Politologe Mohammed al-Dailami gegenüber Middle East Eye. (Middle East Eye)


9. Koalitionstruppen 5 Kilometer vom Flughafen entfernt. Im Laufe des Tages näherten sich die Truppen und Konvois der Koalition auf 5 Kilometer dem Hodeida Airport. (Mr. Revinsky, Twitter; Al Arabiya, Twitter)

8. Vier getötete Zivilisten auf der Kamaran-Insel im Roten Meer vor Hodeida, zwei weitere verletzt, durch Luftschläge der Koalition*. (Saba News Agency)

7. Heftige Zusammenstöße südlich des Hodeida-Flughafens, intensive Luftangriffe in der gesamten Provinz. (PressTV)

6. USA vertiefen ihre Rolle in der Schlacht um Hodeida, Washginton intensiviert Bereitstellung von Geheimdienstinformation zur Erstellung einer Target-Liste für die Luftschläge der Koalition*, um Angriffe auf Krankenhäuser, Moscheen, UN-Gebäude zu vermeiden (Wall Street Journal) ABER: In der Vergangenheit nutzte die Saudi-Koalition* derartige mit GPS-Daten offensichtlich, um exakt diese „Off-list targets“ anzugreifen. Etwa 130 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen allein in den ersten neun Monaten des Krieges, sowie Brücken und andere sensibe Infrastruktur.

5. Saudi-Botschafter in Washington: Houthis greifen saudische, emiratische und US-Schiffe an. (Twitter)

Übersetzung: „Die Houthi-Milizen haben Handels- und Militärschiffe angegriffen, darunter Schiffe des Königreichs [Saudi-Arabien], der Vereinigten Arabischen Emirate und der USA, wobei sie fortschrittliche Anti-Schifffahrtssysteme benutzten, die in den Jemen geschmuggelt wurden, wie unbemannte Schiffe.“

4. Erklärung der jemenitischen Regierung: „Alle friedlichen und politischen Maßnahmen, um die Houthi-Milizen vom Hodeida Port zu entfernen, wurden ausgeschöpft.“ (AFP, beziehend auf Saba News Agency)

3. Schiff der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) steht in Flammen, Beschuss durch zwei Raketen, Saudi-Helikopter eilt zur Rettung der Mannschaft heran, zweites Schiff flieht: Houthi-Sprecher Abdulsalam Jaber, und jemenitisches Verteidigungsministerium. Ein Houthi-TV-Sender erklärt, „das ins Visier genommene Schiff hatte Truppen an Bord, die sich auf die Landung an der Küste von Hodeida vorbereiteten.“ (Tasnim News Agency, Saba News Agency, The New Arab, Al Masirah News)

Dieses Foto von „SAM“ zeigt mutmaßlich das brennende Schiff im „Arabischen Meer“. (Hodeida liegt am Roten Meer, nicht am Arabischen Meer)

2. Statement von Jemens Exil-Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi zur Rechtfertigung der Offensive: „Die Befreiung des Hafens von Hodeida ist ein Wendepunkt in unserem Kampf, den Jemen von Milizen zurückzuerobern, die ihn gekapert haben, um einer ausländischen Agenda zu dienen.“ (Haaretz, sich beziehend auf „staatliche jemenitische Medien“ (Gemeint ist die iranische Agenda, dem Vorwurf folgend, die Houthis wären eine iranische Marionette, siehe dazu den JusticeNow!-Artikel: Die Houthi-Iran-Connection)

1. Operation “Golden Victory” beginnt: saudische Staatsmedien verkünden den offiziellen Beginn der „Schlacht zur Befreiung des wichtigsten Hafen Jemens in Hodeida“, „heftige Explosionen“ in Hodeidas Außenbezirken, Koalition* erlangt Kontrolle über Nekhailah-Vort in Süd-Hodeida  (Al Arabiya)

 

Kontrolle über Territorien im Jemen vor Beginn der Offensive auf Hodeida am 13. Juni 2018:

Kontrolle über Territorien im Jemen vor Beginn der Offensive auf Hodeida am 13. Juni 2018. By Jakob Reimann, JusticeNow!, licensed under CC BY-ND 4.0.

 





Alle Hintergründe und Umstände der aktuellen Hodeida-Offensive in der Analyse von JusticeNow!-Autor Jakob Reimann auf den NachDenkSeiten:  


Timeline des Jemen-Kriegs

Zeitleiste des Jemen-Kriegs. By Jakob Reimann, JusticeNow!, licensed under CC BY-ND 4.0.


Folgen des Krieges:

  • 10.000+ Tote, davon 8.000+ Zivilisten, 45.000+ Verletzte
  • größte je dokumentierte Cholera-Epidemie: 1,1 Millionen Infizierte
  • historische Hungerkatastrophe: 8,4 Millionen am Rande des Hungertods, 18 Millionen leiden an Nahrungsmittelunsicherheit (60 Prozent der Bevölkerung)
  • 2 Millionen Binnenflüchtlinge, zu Peakzeiten des Krieges 3 Millionen
  • 22 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen (73 Prozent der Bevölkerung)
  • Alle zehn Minuten stirbt ein Kind an Hunger oder problemlos vermeidbaren Krankheiten.

Hier findet Ihr das ausführliche sechsteilige Jemen-Special auf JusticeNow!:


Dir gefällt dieser LIVE-TICKER? Dann unterstütze doch unsere Arbeit, indem Du Freunden, Familie, Feinden von diesem Artikel erzählst oder JusticeNow! auf    oder   folgst…

…oder unterstütze unseren unabhängigen Journalismus mit einer kleinen Spende per Überweisung oder Paypal:


Vielen Dank!


V i e l e n D a n k !